4. Craig Ashton & Astrid Teske
KUNST HOCH 3 - Frischer Wind für das Schnellenmarkt-Quartier
Idee
Wir geben dem Schnellenmarkt ein Stück Romantik zurück!
Am Brunnen vor dem Tore (Der Lindenbaum) von Solace/ Trost:
"Am Brunnen vor dem Tore da steht ein Lindenbaum.
Ich träumt′ in seinem Schatten so manchen süßen Traum.
Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort.
Es zog in Freud' und Leide zu ihm mich immer fort, zu ihm mich immer fort.
Ich mußt′ auch heute wandern vorbei in tiefer Nacht.
Da hab' ich noch im Dunkeln die Augen zugemacht.
Und seine Zweige rauschten, als riefen sie mir zu:
Komm' her zu mir, Geselle, hier find′st du deine Ruh′, hier find'st du deine Ruh′
Die kalten Winde bliesen mir g'rad′ ins Angesicht.
Der Hut flog mir vom Kopfe, ich wendete mich nicht.
Nun bin ich manche Stunde entfernt von jenem Ort,
Und immer hör' ich′s rauschen: Du fändest Ruhe dort, du fändest Ruhe dort!"
(Quelle: lieder-archiv.de/am_brunnen_vor_dem_Tore-notenblatt_300359.html)
TROST bezieht sich auf das Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“, welches im Kanon der kulturellen Identität vieler älterer Einwohner noch sehr präsent ist. Das Lied, als Text von Wilhelm Müller notiert, von Franz Schubert vertont und von Friedrich Silcher bearbeitet, wurde in zahlreichen Versionen veröffentlicht und in vielen (Schul-)Chören gesungen. Es steht für die Epoche der Romantik, die wir über den Brunnen und die Architektursprache der 1980er Jahre in einem Bogen in die heutige Zeit überführen möchten. TROST referiert dabei auf verschiedene Formen der Vergangenheit: Für Alteingesessene, aber auch für jeden Menschen, der seine Heimat vermisst; meist verbunden mit Bildern, die oft klischeehaft scheinen. Vielfach steht ein Baum symbolisch für HEIMAT. Die Grundaussagen des Liedes (junge Liebe und deren Scheitern, Wandern/Fortgehen, Erinnerung und Heimat, Alter und Vergänglichkeit) sind klischeehaft und gerade deshalb für viele anschlussfähig. Der Baum als Symbol spannt dabei seine Äste über den Empfindsamen, spendet ihm TROST in der Ferne und im Kummer. Der Baum wurzelt im Ort und in der Erinnerung, als Symbol der Jugend und des Frühlings ebenso wie des Alters und der Erneuerung.
Zum romantischen Bild des „deutschen“ Brunnens gesellt sich in diesem, wie in vielen weiteren, Volksliedern und Gedichten die Linde als Sinnbild. Am Schnellenmarktbrunnen fehlt sie- bislang. Wir meinen, dass dem Brunnen ein romantisches, Trost spendendes Umfeld gut zu Gesicht stünde. Deshalb haben wir eine Linde in die Schnellen des Brunnens gepflanzt.
Die Skulptur ist aus verschiedenen gebrauchten Plastiktöpfen in der Anmutung des Brunnens hergestellt worden und breitet sich in alle drei Dimensionen aus. Der Schnellenmarktbrunnen, gestaltet von Georg Münchbach in den frühen 1980er Jahren, nimmt Bezug auf die an diesem Ort hergestellten „Schnellen“. Diese mittelalterlichen Gefäße haben wir in Bezug auf den Brunnen in unserem Vorschlag ebenfalls aufgenommen und die Formensprache beider Epochen in unsere heutige Materialität übersetzt. Aus gebranntem Ton wird schnelllebiges Plastik. Die recycelten Plastiktöpfe aus der Baumschule, welche mundgerecht zur Aufzucht der Natur dienen, spiegeln dabei die Schnellen, in deren nachgeformter Nachbarschaft sie sich befinden. Sie tragen dabei die verschiedenen Laubfarben, welche die Blätter der Linde über das Jahr annehmen. Die drei Strophen finden sich in den drei Skulpturenteilen und werden im Verlauf immer herbstlicher: Zum November hin bleiben die Töpfe kenntlich und kündigen in ihrer Farbigkeit den Winter und die Vergänglichkeit an. Die Dreiteiligkeit nimmt die des Brunnens auf und verteilt dessen Masse über die Köpfe der Besucher. Der mittlere Teil des Triptychons trägt den Setzling eines Lindenbaums, der später am Schnellenmarkt ausgepflanzt werden soll.
Vita Craig Ashton
- Geboren 1977
- in Melbourne/Australien
Ausstellungen:
- Landart Uelzen, Woltersburger Mühle 2017
- Kunst am Bauer, Bad Bevensen 2018
- Kurpark-Nächte, Bad Bevensen 2020
- Rathaus Uelzen 2020
- Kunst am Kloster, Bad Bevensen 2021
- Mitglied im KUNSTWERK seit 2024
Vita Astrid Teske
- Geboren 1973
- in Uelzen
Ausstellungen:
- Leuphana Universität, Lüneburg 2007
- Landart Uelzen, Woltersburger Mühle 2017
- Landart Uelzen, Woltersburger Mühle 2018
- Deutsches Haus, Bad Bevensen 2020
- Mitglied im KUNSTWERK seit 2024
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